Die Regierungen hätten unterschätzt, sagt Stiglitz, wie wichtig ein anständiges Einkommen für die Würde der Menschen sei.
Stiglitz sieht im Aufschwung der Rechtspopulisten einen Aufstand der Globalisierungsopfer. "Die Menschen erkennen, dass die Globalisierung für Unternehmen und sehr Reiche super funktioniert hat, aber nicht für die übrigen Bürger." Speziell auf die AfD bezogen erklärte er: "Es gibt eine ökonomisch begründete Angst in Deutschland. Es gibt jede Menge Leute, die sehr wenig verdienen, deren Einkommen seit Jahren stagnieren und die sehr unglücklich sind. Die Regierungen haben unterschätzt, wie wichtig ein anständigen Einkommen für die Würde der Menschen ist."
Die Unzufriedenheit habe aber nicht allein mit ökonomischen Faktoren zu tun. "Es gibt noch einen anderen Grund: Weil die Menschen an Angst leiden, sind sie anfällig für Angst. Die Fremdenfeindlichkeit und der Hass auf Flüchtlinge haben ein Ausmaß erreicht, das erschreckend ist und nichts mit der Realität zu tun hat. Leider gibt es eine Menge Rechtspopulisten, die diese Angst zum Stimmenfang missbrauchen.
Stiglitz glaubt nicht, dass Verlierer der Globalisierung von der Politik von Rechtspopulisten wie Trump profitieren. "Seine ganze Agenda wird sie schlechterstellen." Nach seinem Konzept stiegen die Steuern sogar für einen Teil der Mittelklasse, während sie für Reiche sänken.
"Trump sagt: Es gibt wieder Grenzen. Ein
Land kann jeden Moment einen verrückten Typen wie mich wählen. Waren
können dann nicht mehr frei über die Grenzen verkauft werden". Jedes
Unternehmen gehe bei weltweiten Lieferketten auf einmal ein hohes
Risiko ein, so der frühere Chefökonom der Weltbank. Dabei seien die
Vereinigten Staaten traditionell Vorkämpfer freier Märkte gewesen.
"Die USA spielte eine große Rolle beim Aufbau der regelbasierten
Weltordnung. Dass der Erfinder dieses Systems eine Granate
hineinwirft, ist erstaunlich."
