|
SZ Nr. 25. April 2023 |
Vermögen in D 2023 | Von Markus Zydra | |
|
Das
zeigt eine Studie der Bundesbank. Trotzdem
besitzen die zehn reichsten Prozent noch mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens.
Die
Vermögen in Deutschland sind extrem ungerecht verteilt. Die zehn Prozent
vermögendsten Haushalte besitzen 56 Prozent des gesamten Nettovermögens,
so die Bundesbank in ihrem Monatsbericht, der am Montag veröffentlicht
wurde. Die vermögensärmere Hälfte der deutschen Haushalte besitzt
insgesamt gerade einmal drei Prozent des Nettovermögens.
Das
ist ein Ergebnis der vierten Umfrage der Notenbank, die sie seit 2010
regelmäßig unter dem Titel „Private Haushalte und ihre
Finanzen" durchführt. Die Befragten schätzen ihre
Vermögensverhältnisse selbst ein, wodurch es zu Über- und
Untertreibungen kommen kann - die gesetzlichen Rentenansprüche fließen
nicht mit ein. Die
Vermögen sind auf allen gesellschaftlichen Ebenen angestiegen Besonders
der Immobilienbesitz und das Betriebsvermögen entscheiden darüber, in
welcher Vermögensklasse sich ein Haushalt wiederfindet. Auch
Aktieneigentum spielt eine Rolle. Vor allem die Preise für Immobilien,
sind seit 2017 - dem Termin der letzten Umfrage unter rund 4100
repräsentativ ausgewählten Haushalten -stark angestiegen. Die
langjährige Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank führte zu
einem starken Bauboom, von dem aber nur Haushalte profitierten, die sich
einen Hypothekenkredit leisten konnten. Inzwischen hat die Notenbank den
Leitzins stark angehoben, der Bauboom ist erlahmt und die Inflation stark
angestiegen. Diese völlig neue Lage spielte in der Bundesbankumfrage
noch keine Rolle, weil die Befragungen bereits 2021 durchgeführt wurden. Obwohl
die Bundesbank der deutschen Gesellschaft eine „hohe
Vermögensungleichheit" attestiert, sind die Vermögen insgesamt
auf allen gesellschaftlichen Ebenen angestiegen. „Das durchschnittliche
Nettovermögen erreichte mit nominal 316 500 Euro einen neuen
Höchststand seit Beginn der Erhebungen vor zehn Jahren", so die
Bundesbank. „Allein zwischen 2017 und 2021 erhöhten sich die
durchschnittlichen Vermögen mit einem Plus von 36 Prozent um rund 83 600
Euro." Soweit die Durchschnittswerte, die stark von extrem hohen
Vermögen beeinflusst werden. Doch auch der Median der Nettovermögen, der
die Mitte der Vermögensverteilung markiert und Haushalte in eine
reichere und eine ärmere Hälfte teilt, ist deutlich angestiegen, und
zwar von 70 800 Euro im Jahr 2017 auf 106 600 Euro im Jahr 2021. Vermögensumfragen
dieser Art werden in allen Mitgliedsstaaten der EU durchgeführt,
bislang liegen nur Zahlen zum Netto-vermögen für Spanien, Italien und
Portugal für das Jahr 2020 vor. Der Vergleich unterstreicht, dass
Deutschland sowohl beim Durchschnittsvermögen, als auch beim Median oft
hinten liegt. Für Italien ergibt sich 2020 ein Durchschnittswert von
341000 Euro und ein Median von 150 800 Euro; in Spanien beträgt das
Durchschnittsvermögen 269900 Euro und der Median 122 000 Euro. Portugal
erreichte 2020 mit einem Median von 101200 Euro etwa das Niveau
Deutschlands, der Durchschnittswert war mit 200400 Euro hingegen niedriger
als in Deutschland. Insgesamt,
so die Bundesbank, sei die Vermögensungleichheit in Deutschland leicht
zurückgegangen. Der Gini-Koeffizient für das Nettovermögen - ein
klassisches Maß für Ungleichheit, der eine Gleichverteilung bei null
Prozent anzeigt - weist mit einem Wert von 73 Prozent im Jahr 2021 auf
eine leicht rückläufige Ungleichverteilung der Vermögen hin. Zum
Vergleich: Im Jahr 2017 lag der Gini-Koeffizient bei 74 Prozent, im Jahr
2010/11 bei 76 Prozent. Die
Hälfte der Haushalte in Deutschland hatte im Jahr 2021 3000 Euro oder
mehr auf dem Girokonto. Das durchschnittliche Guthaben auf Girokonten
betrug laut der Bundesbank-Studie rund 12700 Euro, das entspricht einem
Anstieg um fast 80 Prozent gegenüber 2017. Bei den Sparkonten fiel der
Anstieg etwas schwächer aus, aber auch hier stiegen sowohl Median (11800
Euro) als auch Durchschnittswert (30 900 Euro) seit Beginn der
Erhebungen im Jahr 2010 deutlich an. Ob dies auch eine Folge des
„unfreiwilligen" Sparens während der Corona-Pandemie war, als
viele Geschäfte geschlossen hatten, könne man aus Umfragezahlen nicht
direkt ablesen. Der enorme Anstieg der Guthaben sei aber
„bemerkenswert". Der
Anteil der Haushalte mit Aktienbesitz stieg von elf Prozent auf 15
Prozent, der mit Fondsbesitz von 16 Prozent auf 21 Prozent. Auch jüngere
Haushalte legten vermehrt in Fonds und Aktien an. Die hohen Aktienrenditen
im Zeitraum 2017 bis 2021 und die im Zuge der Corona-Pandemie entstandenen
zusätzlichen Ersparnisse könnten ein Grund für das verstärkte
Interesse an Anlagen am Aktienmarkt sein, so die Bundesbank. Die gestiegenen Immobilienpreise machten es für bestimmte Haushalte unterdessen schwieriger, Eigentum zu erwerben und zu finanzieren. Haushalte, die Immobilien erwarben, mussten sich aufgrund der gestiegenen Preise stärker verschulden: Die durchschnittlichen Beträge für ausstehende Hypothekenkredite stiegen von 125100 Euro auf 148 400 Euro.
|
|||